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Bad Hindelang nimmt „die letzte Meile“: Allgäuer Ferienort für Rufbus „EMMI-MOBIL“ ausgezeichnet

„Vitalpin KlimaInvestment Förderpreis“: Hochkarätige Jury vergibt 1. Platz an Marktgemeinde – „Paradebeispiel für sanften Tourismus“

Bad Hindelang (dk). Die Gemeinde Bad Hindelang ist für ihr nachhaltiges Mobilitätskonzept „EMMI-MOBIL“ mit dem „Vitalpin KlimaInvestment Förderpreis“ ausgezeichnet worden. Eine hochkarätige Jury um den langjährigen EU-Kommissar Dr. Franz Fischler, das deutsche Ski-Idol Felix Neureuther sowie renommierte Professoren und Wissenschaftler aus dem gesamten Alpenraum würdigte das Projekt des bekannten Allgäuer Ferienorts als herausragend und vergab den mit 20.000 Euro dotierten Siegerpreis an die Marktgemeinde. 40 Organisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol hatten ihre Ideen, Konzepte und Projekte für den Förderpreis eingereicht, elf wurden für den Ehrungsabend am Lansersee bei Innsbruck nominiert. Die auf insgesamt 65.000 Euro dotierten Förderpreise gab die gemeinnützige Organisation Vitalpin gemeinsam mit der ClimatePartner Austria GmbH in Wien heraus. Mit der Inbetriebnahme des neuen Rufbus-Systems hatte Bad Hindelang zu Jahresbeginn ein weiteres Umwelt- und klimafreundliches Ausrufezeichen gesetzt. „EMMI-MOBIL“ in Bad Hindelang kann mobil per App als nahtlose Ergänzung zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) genutzt werden und löst damit das Problem der Vor-Ort-Mobilität von Gästen und Einheimischen. Für Übernachtungsgäste und Einheimische mit Bürgerkarte ist der Mobilitätsservice kostenlos.

„Der Schutz des Alpenraums wird in Zukunft immer wichtiger werden. Deshalb war es uns ein Anliegen, mit der Initiative diejenigen zu fördern, die das bereits erkannt haben und sich besonders für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzen. Bad Hindelang ist ein Paradebeispiel für nachhaltig sanften Tourismus und ein würdiger Gewinner. Die Allgäuer Gemeinde widerlegt seit vielen Jahren erfolgreich die These von Skeptikern, wonach Klimaschutz und Tourismus dauerhaft nicht miteinander vereinbar seien. Aus unserer Sicht liegt der Wert und der Reiz der Alpen für Einheimische und Touristen aber gerade darin, dass das Ökosystem möglichst intakt ist. Klimaschutz muss im ureigenen Interesse der Tourismuswirtschaft sein“, sagt Theresa Haid, Geschäftsführerin des Vereins Vitalpin mit Sitz in Innsbruck. Jakob Sterlich, Prokurist von ClimatePartner Austria, fügte hinzu: „Es freut mich, dass 40 Anträge aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol eingelangt sind. Zahlreiche Unternehmen, Vereine und Start-ups haben die Chance ergriffen, ihren Projekten noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“

Die Bürgermeisterin von Bad Hindelang, Dr. Sabine Rödel, nahm den Preis persönlich in Empfang. „Es freut und motiviert mich natürlich sehr, dass unser Projekt unter den vier Gewinnern ist. Bad Hindelang ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO einer der Orte mit der besten Luft weltweit. Als Gemeindechefin in unserem ‚Für Allergiker qualitätsgeprüften Kurort‘ sehe ich mich in der Pflicht, unsere kristallklare Luft und wunderbare Natur für die Nachwelt zu erhalten. Weitere Schritte dafür sind die Einführung des Rufbus-Systems EMMI-MOBIL sowie die jüngst besiegelte Kooperation mit der Universität Augsburg, dem Lehrstuhl für Umweltmedizin, der die positiven Auswirkungen unseres heilenden Klimas und der gesunden Umwelt auf die Gesundheit der Menschen wissenschaftlich untersuchen wird“ sagt Dr. Sabine Rödel.

„Es waren eine hochkarätig besetzte Jury und alpenweit viele herausragende Projekte verschiedenster Couleur. Deswegen freuen wir uns sehr über den 1. Platz mit EMMI-MOBIL und die damit verbundene Anerkennung unserer Anstrengungen für eine Klima- und Mobilitätswende – dafür danken wir unseren Partnern“, sagte der Bad Hindelanger Tourismusdirektor Maximilian Hillmeier.  

Matthias Wendorf sieht insbesondere für ländliche Destinationen Handlungsbedarf: Urbane Gäste seien Trendsetter für nachhaltige Mobilität und eine rasant wachsende Zielgruppe für ländliche Urlaubsregionen. Der Geschäftsführer der WIIF GmbH, die Destinationen und Unternehmen im Tourismus strategisch berät und die Einführung von EMMI-MOBIL initiiert und begleitet hatte, unterstreicht: „Nachhaltige Mobilitätskonzepte im Tourismus werden zur Pflichtaufgabe. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie Destinationen Lösungen für die nachhaltige An- und Abreise und die Mobilität vor Ort entwickeln. Das ist nicht einfach, zumal Gäste hohe Anforderungen stellen – praktikabel, funktionell, bequem und kostengünstig muss es sein, sonst ist die Hürde für den Gast zu hoch“, sagt Wendorf und ergänzt: „Entscheidend ist die letzte Meile. Das ist der Flaschenhals für alle Mobilitätslösungen im Tourismus. Wird dieser Lückenschluss nicht unkompliziert und sicher gewährleistet, wählt der Gast in der Regel lieber das eigene Auto. Bad Hindelang hat das Problem vorzüglich und wie bislang niemand in der Tourismusbranche gelöst – EMMI-MOBIL war der noch fehlende Baustein.“

Der Preisverleihung am Lansersee schloss sich eine Podiumsdiskussion mit dem renommierten und hochdekorierten deutschen Umweltwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker an, der zum Thema Nachhaltigkeit im Alpenraum mit besonderem Fokus auf den Tourismus und dessen Grenzen des Wachstums sprach.

Über das Thema „Politische Leitplanken für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in den Alpen: Problemlöser oder unverbindliche Totengräber?“ debattierte Prof. Dr. von Weizsäcker anschließend in einer Diskussionsrunde mit Dr. Franz Fischler, der von 1995 bis 2004 in der Europäischen Union (EU) in seiner Funktion als EU-Kommissar die Geschicke der europäischen Landwirtschaft und ab 1999 zusätzlich die der kontinentalen Fischerei lenkte, dem Südtiroler HGV-Präsident Manfred Pinzger, dem Graubündner Regierungsrat Marcus Caduff sowie dem Tiroler Landtagsabgeordneten Mario Gerber. Die Diskussionsrunde leitete Isabella Krassnitzer, die den Abend moderierte.

Über Vitalpin und ClimatePartner
In Kooperation haben Vitalpin und ClimatePartner die regionale Klimaschutzinitiative entwickelt und betreiben sie gemeinsam. In den Klimafonds zahlen bekannte österreichische Unternehmen ein, reinvestiert wird ausschließlich regional. Im Kern geht es darum, Tourismusbetriebe auf Ihrem Weg zur Klimaneutralität, Vorzeigeprojekte in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz sowie nachhaltiges Wirtschaften im Alpenraum zu unterstützen. Zudem bringt die Initiative Förderer von alpinem Klimaschutz mit Menschen zusammen, die in den Alpen Klimaschutzprojekte realisieren. Vitalpin ist eine gemeinnützige, nicht gewinnorientierte, unpolitische und international agierende Organisation mit Mitgliedern im gesamten deutschsprachigen Alpenraum. Das 2006 in München gegründete Unternehmen ClimatePartner ist Lösungsanbieter im Klimaschutz für Unternehmen und unterstützt Kunden bei der Berechnung, Reduktion und beim Ausgleich von Treibhausgasemissionen.

Über die Jury

Nachhaltige Mobilität, Energieeffizienz, Investition und Verwendung von erneuerbaren Energien, Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung, Maßnahmen zur Förderung von Biodiversität und Initiativen zur Kreislaufwirtschaft – nach diesen Kriterien wurden die Projekte bewertet und die Siegerprojekte ermittelt. Eine namhaft besetzte Jury selektierte die Bewerbungen. Der Jury-Vorsitzende und ehemalige EU-Kommissar Dr. Franz Fischler über die Gewinner: „Es war keine leichte Entscheidung bei der Vielzahl an spannenden Projekten, aber ich bin mir sicher, dass wir mit den vier Gewinnern die richtige Entscheidung getroffen haben. Sie dienen als wahres Vorbild für alle Unternehmen und Vereine, die sich in Sachen Umwelt- und Klimaschutz weiterentwickeln wollen.“ Die weiteren Mitglieder der Jury sind Mag. Alice Schmidt (POW Science Alliance), Mag. Karin Huber-Heim (Circular Economy Forum), Dr. Ulrike Pröbstl-Haider (BOKU Wien), Dr. Christian Baumgartner (CIPRA International), DI Hans-Jürgen Salmhofer (Bundesministerium für Klimaschutz) sowie der ehemalige deutsche Profiskirennläufer Felix Neureuther. Neureuther konnte zwar aus terminlichen Gründen nicht persönlich an der Verleihung teilenehmen, aber er hat es sich nicht nehmen lassen, eine Videobotschaft an die Projekteinreicher zu überbringen: „Es ist beeindruckend diese Fülle an innovativen Projekten zu sehen. Ihr alle macht einen überragenden Job, unfassbar welche Gedanken ihr habt und was ihr alles für die Nachhaltigkeit in den Alpen tut“, so der ehemalige Skirennläufer.

Über das Rufbus-System „EMMI-MOBIL”
Die Einführung des Rufbus-Systems basiert auch auf einer Umfrage im Ort, bei der sich vor drei Jahren ein Großteil der mehr als 3.500 befragten Personen (2.000 Bürger und 1.500 Gäste) für weitere innovative Angebote des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) zur Steigerung der Lebens- und Urlaubsqualität ausgesprochen hatten. Das Projekt läuft zunächst für zwei Jahre und kostet die Gemeinde jährlich 300.000 Euro. Das Bus-System wird finanziell unterstützt, da seit der vergangenen Wintersaison das kostenfreie Parken im Gemeindegebiet für Übernachtungsgäste und Zweitwohnungsbesitzer mit der Gästekarte entfällt. Dafür können diese sowie einheimische Bad Hindelanger mit der Bürgerkarte den ÖPNV und „EMMI-MOBIL“ kostenlos nutzen.

Das digitale Elektrobus-Angebot kann mobil per App genutzt werden und ist eine ideale Ergänzung zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr. Und so funktioniert’s: EMMI-MOBIL mit der EMMI-App rufen, einsteigen und schon geht es los. Sollte sich bei der Buchung herausstellen, dass innerhalb der folgenden 10 Minuten kein Linienbus im jeweiligen Zuständigkeitsgebiet fährt, bringt der Rufbus die Fahrgäste direkt ans Ziel. Einen festen Fahrplan oder eine feste Route gibt es nicht. Auf diese Weise können auch entlegene Weiler an den ÖPNV angeschlossen werden. 

Gäste, die beispielsweise eine Wanderung planen, können EMMI-MOBILs als „Wanderbus“ mit dem Vorteil nutzen, bei der Rückkehr nicht an den Standort eines geparkten Autos gebunden zu sein. Bereits zur Abfahrt bereite Personen bestellen den Rufbus je nach Bedarf über die EMMI-MOBIL App und bekommen die Abholzeit und Fahrpläne mitgeteilt. Eine Buchung ist bis zu 24 Stunden im Voraus möglich.

Die Abholung erfolgt am online vereinbarten Haltepunkt. Das Angebot bedient routen- und bedarfsorientiert nach dem Ridepooling-Prinzip alle sechs Ortsteile in Bad Hindelang. Das bedeutet, dass Fahrten mit einer App gebucht und dann softwaregestützt gepoolt, also gebündelt werden. Durch die Nutzung von anonymisierten Mobilitätsdaten erhofft man sich in Bad Hindelang auch eine Erleichterung bei der Besucherlenkung sowie einen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt, denn der Rufbus sichert die Mobilität für alle Altersgruppen im Lebensraum Bad Hindelang und somit die Teilhabe am öffentlichen Leben.

Bei der Umsetzung des Projekts war Bad Hindelang von verschiedenen Partnern aktiv unterstützt worden. Die WIIF GmbH initiierte und begleitete die Einführung von EMMI-MOBIL. Die Door2Door GmbH stellte die Technologie zur Verfügung, das regionale Bus-Unternehmen „Komm mit“ wurde als Betreiber beauftragt.

Die erste aktuelle Auswertung zeigt ein positives Ergebnis: Bis zum Ende der Wintersaison Ende März hat EMMI-MOBIL mehr als 3000 Fahrten geleistet und dabei mehr als 7.000 Fahrgäste zu ihrem Ziel gebracht.  Die Fahrleistung seit 1. Dezember 2021 beträgt für beide Elektro-Kleinbusse zusammen knapp 9.000 Kilometer. Besonders erfreulich war die Rückmeldung der Nutzer von Beginn an: 92,5 Prozent der Fahrgäste, die EMMI-MOBIL bewerten haben (ca. 1.200) vergaben 5 von 5 Sternen. Insgesamt liegt die durchschnittliche Bewertung von EMMI-MOBIL bei 4,8 von 5,0 Sternen und damit bei „sehr gut“. EMMI-MOBIL war von Dezember bis Ende März in den Gebieten „Bad Hindelang, Bad Oberdorf, Vorderhindelang und Hinterstein“ sowie „Oberjoch und Unterjoch“ im Einsatz.  

 

Informationen im Netz:

Landingpage:https://www.badhindelang.de/emmi-mobil

Video:https://www.youtube.com/watch?v=l9y0pKUWKa0

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